Candide —
Journal for Architectural Knowledge

Ambulante Therapie: Psychologien der Pedestrianisierung in New York und Kopenhagen

Wie kommt es, dass Projekte zur Schaffung von Fußgängerzonen ein Milieu der Konvivialität erzeugen konnten, ohne zu einer wirklichen Erweiterung bürger­schaftlichen Engagements beizutragen? Ein Rückblick auf Fußgängerprojekte in New York City und Kopenhagen enthüllt die zentrale Rolle der Psychologie bei der Produktion und dem Erleben öffentlichen Raumes. Psychologische Theorien und experimentelle Techniken liegen den unterschiedlichsten Projek­ten zugrunde, die den öffentlichen Raum im Dienst der Selbstverwirklichung und des Glücks umgestaltet haben, von den zeitweiligen Straßenschließungen im New York der 1970er-Jahre bis Kopenhagens Superkilen und dem fiktiven Steinstadt von heute. Doch die Beförderung des Wohlbefindens im städtischen Raum vollzog sich größtenteils im Dienste wirtschaftlicher Entwicklung und Konkurrenz, nicht des bürgerschaftlichen Engagements. Macht man sich an eine Historisierung der „glücklichen Stadt“, so gilt es die Ansprüche zu über­prüfen, die von Psychologen, Planern und Gestaltern für die Neuerschaffung von Stadtstraßen erhoben wurden.

Ambulatory Therapy: Psychologies of Pedestrianization in New York and Copenhagen

How have projects for pedestrian streets created atmospheres of convivial­ity while failing to contribute to a real expansion of citizenship? A historical review of pedestrian projects in New York City and Copenhagen reveals the critical role of psychology in the production and experience of the public realm. Psychological theories and experimental techniques lie behind projects of temporary street closures in 1970s’ New York to Copenhagen’s Superkilen and the fictional city of Bricksburg today, as they transform the public realm in the service of self-actualization and happiness. Yet the promotion of feelings of wellbeing in urban space has largely been in the service of economic develop­ment and competition, rather than citizenship. Historicizing the “happy city” calls for a reexamination of the claims of psychologists, planners, and design­ers in remaking city streets.